Diskussion: Kümmerer in der Villigster Nachbarschaft

Mehr als 20 Personen erschienen zum Kümmerertreff am 21. August und haben 90 Minuten lang intensiv über mögliche nachbarschaftliche Aufgaben und Tätigkeiten. Wir viele Ideen gesammelt: Von Einkaufshilfe, Mitfahrgelegenheit, Gesprächsangebote, Begleitung bei Arztbesuchen sowie Eventorganisation, Informationsaustausch und Betreuung bis zum gemeinsamen Spielen und Lesen – der Diskussionsstoff für die folgenden Treffen wird uns nicht ausgehen!Flipchart Kümmerer

Die Teilneherinnen und Teilnehmer erzählten dabei sehr anschaulich von ihren nachbarschaftlichen Erfahrungen.

Wichtig für uns Kümmerern ist, dass wir unsere eigene Initiative verstärken und es schaffen weitere Mitbürger als Kümmerer zu gewinnen. Vernetzung spielt eine große Rolle.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Sitzung sind sich darüber einig, dass die Entwicklung nachbarschaftlicher Strukturen in Villigst  ausgesprochen wichtig ist, und zwar nicht zuletzt auch deshalb, weil man in Villigst gern wohnt und wohnen bleiben möchte. Also müssen wir „am Ball bleiben“

Textvorlage: Otfried Altfeld, 23. 08. 13

Kümmerer – was machen die?

Zu Beginn des 1. Kümmere-Treffens am 21. August 2013 haben wir darüber diskutiert, was Kümmere eigentlich machen. Die Diskussion zeigt schnell: Kümmerer reden miteinander, vernetzen sich mit einander, ergänzen sich in ihren Interessen, Fähig- und Fertigkeiten, die sie in den Stadtteil Villigst einbringen wollen.

Flipchart Kümmerer

Auch Kümmerer sind Menschen! Kümmerer – ein bescheidenes Wort, in das man große Ideale projizieren kann. Ein Kümmere ist kein Alleskönner, der unendliche Kraft- und Zeitreserven hat. Im Gegenteil: Kümmere ist eine(r), der/die sich für die Nachbarschaft in Villigst engagieren will, ansprechbar sein will. Kümmere – das ist nur eine Teilzeitbeschäftigung, ist nur ein Teil des eigenen Lebens.

Kümmerer kann jede(r) sein – dazu muss ich kein handwerklicher Crack sein oder ein eigenes Auto haben. Es wird Kümmerer geben, die angesprochen werden, weil sie ein ehrliches Interesse an ihrem Nachbarn zeigen, gute Zuhörer sind – vielleicht so, wie Michael Ende die Zuhört-Qualitäten der literarischen Figur „Momo“ in seinem gleichnamigen Buch beschreibt.

Was sind Kümmerer?

Textvorlage: Presbyteriumsbeschluss zur Abschaffung von Altersgrenzen im Ehrenamt

Das Presbyterium der <Name der Kirchengemeinde> sieht die im <Paragraph aus der jeweiligen Kirchenordnung> definierte Altersgrenze für das Ehrenamt weder als sinnvoll noch als zeitgemäß an. In einer Gesellschaft des langen Lebens stehen Altersgrenzen einer Nutzung der Potenziale und Kompetenzen älterer Menschen entgegen. Das Presbyterium stellt den Antrag an die Kreissynode, sich dieses Thema zu eigen zu machen und alle ihr zugehörigen Gemeinden um eine Stellungnahme zu <Paragraph aus der jeweiligen Kirchenordnung> zu bitten. Wenn die Kreissynode zu der gleichen Einschätzung kommt wie das Presbyterium der <Name der Kirchengemeinde>, soll die Landessynode gebeten werden, diese Altersgrenze aus <Paragraph aus der jeweiligen Kirchenordnung> zu streichen.

Altersdiskriminierung & Kirche: Material

Zum Thema allgemein:

  • Grundlegend empfehle ich von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales (Berlin, 2010): Altersgrenzen. Gerontologische Argumente zur Überprüfung normierter Altersbeschränkungen (Dr. Peter Zeman, Deutsches Zentrum für Altersfragen)
  • ein aktuelles Forum mit Informationen zu aktuellen Themen Rund um „Altersdiskriminierung“ ist HIER.
  • Positionspapier der BAGSO
  • Befragung von BAGSO und KDA unter Seniorenverbänden, inwieweit sie Kenntnis von Altersdiskriminierungen erhielten

Altersdiskrimminierung in ev. Landeskirchen:

  • Die EAfA hat eine ausgezeichnete Arbeitshilfe herausgegeben, die das Thema von verschiedenen Seiten ausleuchtet
  • Der Beitrag von Herrn Heetderks ergänzt diese Arbeitshilfe mit weiteren Fakten. – Aufschlussreich sind auch die Leser-Kommentare nach diesem „Gastbeitrag“, der als Blog im Portal „www.gemeindemenschen.de“ veröffentlicht wurde.
  • Beitrag aus „Chrismon Rheinland“ (Juni-Ausgabe 2011, S.10)
  • Info-Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD zu Altersbildern, „Wie die Kirche ältere Menschen wahrnimmt (2010/11). Strukturen, Ressourcen und Angebote in den Landeskirchen der EKD“. Hier interessieren besonders die Seiten 27 ff. zu „Altersgrenzen“:
  • in der Orientierungshilfe des Rates der EKD „Im Alter neu werden können“ (2010), wird ausdrücklich das Beharren auf starren Altersgrenzen kritisiert (S.56) und als Aufgaben der Kirchen das Abbauen von Altersgrenzen genannt (S.92).
  • Ev. Seniorennetzwerk e.V. – Forderungen: Kultur des Abschieds-Handzettel

Präsentation zum Thema:

Meine Einbringung vom November 2013 auf einer Kreissynode (optisch aus urheberrechtlichen Gründen verändert):

– solo: Altersgrenzen Präsentation

– mit Kommentar: Altersgrenzen-Präsentation+Kommentar

Aber Achtung: Mein Antrag auf Diskussion der Altersgrenzen wurde abgelehnt, vielleicht ist die Argumentation gar nicht so gut (vgl. hier die vorbildlich-transparente Dokumentation auf der website des Kirchenkreises!)

 

Ergänzungen erwünscht: Bitte melden!

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Alterskompetenzen und Altersdiskriminierung in ev. Kirchen

Wir werden älter. Ein heute geborenes Mädchen wird nach der Statistik fast 82 Jahre alt, ein heute geborener Junge 76 Jahre. Zur Zeit der Einführung der Alters- und Invalidenversicherung im Jahre 1891 erreichten weniger als die Hälfte der Frauen und nur jeder dritte Mann das 60ste Lebensjahr. Heute erreichen 90 % der Bevölkerung dieses Alter.

Neue Freiräume. Die lange Zeitspanne nach dem Erwerbsleben gibt völlig neue Möglichkeiten, das Leben zu gestalten. Viele ältere Menschen sind schon heute bereit, sich für andere einzusetzen und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. In den Familien wird immer noch generationenübergreifend geholfen. Zahlreiche Ältere unterstützen die Jüngeren materiell und durch praktische Hilfeleistungen. Der Pflegemarkt würde ohne die Hilfen der Älteren, vor allem der älteren Frauen, zusammenbrechen. Ältere sind bereit,  ihr soziales Umfeld mit ihrer Lebenserfahrung zu gestalten. Ältere wollen jedoch auch das Glück eines zweckfreien Lebens einfach genießen.

Neue Abhängigkeit und Altersarmut. Die materielle Situation vieler Älterer ist gut und wichtig zur Gestaltung der neuen Freiräume. Doch für viele ältere Menschen sind die neuen Freiräume durch die immer größer werdende Altersarmut eingeschränkt. Deshalb machen wir uns stark für politische Lösungen zur Vermeidung von Altersarmut und fordern Kirche und Diakonie auf, sich dabei modellhaft zu verhalten.

Kompetenzen erkennen und nutzen. Alle Menschen haben ihre Kompetenzen, bei den Älteren sind es Lebenserfahrung, freie Zeit, oftmals materielle Unabhängigkeit und berufliche Qualifikationen. Altersgrenzen stehen einer Nutzung ihrer Potentiale entgegen.

Präsent in der Kirche. Ältere bilden (noch) die stabile Hauptgruppe bei Gottes-diensten und gemeindlichen Veranstaltungen. Dies muss anerkannt und in seinem Wert dargestellt werden. Zugleich muss in den anderen Altersgruppen für eine aktive Beteiligung geworben werden.

Altersdiskriminierung. Die Mitarbeit an starre Altersgrenzen zu binden, ist diskriminierend. Dies gilt für die Ämter im Presbyterium oder für Prädikantentätigkeiten. Der Rat der EKD hat deshalb zu Recht formuliert: „Das kalendarische Lebensalter allein ist…nicht der geeignete Anknüpfungspunkt…Das starre Festhalten an Altersgrenzen ist angesichts der Vielfalt von Kompetenzen und Lebensformen im Alter nicht mehr angemessen.“ Aber es geschieht nichts.

Wir fordern:

1.    Abschaffung der starren Altersgrenzen im kirchlichen Recht

2.    Wahlzeiten für kirchliche Ämter generell zu begrenzen

3.    Eine Kultur des Abschieds und Dankes zu entwickeln

4.    Umgang mit Konflikten zu thematisieren: Lösungen und Rituale einzuüben

 © Ev. Seniorennetzwerk Rheinland-Westfalen-Lippe

 Der Text zum download:Alterskompetenzen und Altersdiskriminierung klicken!

Wer sich nicht kümmert – verkümmert!

Das heutige Treffen der Gesamtgruppe „Villigster Nachbarn“ verlief sehr produktiv.

Zunächst stellten die „Logo-Gruppe“ und die „Kümmerer-Gruppe“ ihre Diskussionsergebnisse vor.logo

Der sich anschließende Meinungsaustausch erbrachte folgende Zwischenergebnisse:

  • wir wollen keine Vereinsmeierei – die Nachbarschaftshilfen sollen sich auf privater Ebene entwickeln, eben ganz „normal“
  • entstehende Kümmerer-Kleingruppen könnten sich deshalb auch zum Erfahrungsaustausch im Garten/ im Wohnzimmer der jeweiligen Mitglieder treffen
  • Treffen der Großgruppe können natürlich nur in üppigeren Räumlichkeiten, wie z.B. dem Villigster ev. Gemeindehaus, statt finden
  • genau dort wollen wir auch hin einladen: zu einem Treffen all derer, die sich für das Kümmerer-Sein interessieren.

 

Was ist ein „Kümmerer“?

Verstanden habe ich aus unserer Diskussion darüber, dass ein Kümmerer sowohl konkret hilft als auch weiterleitet und vernetzt; ein Kümmerer kennt Hilfsstrukturen, wenn er an die Grenzen seiner eigenen Möglichkeiten stößt (für jeden sind die Grenzen unterschiedlich; Grenzen können ja nach eigenen (Zeit-)Ressourcen variieren); ein Kümmerer kann und muss daher auch „Nein“ sagen können!

 

Um einen Einladungsbrief zu entwerfen, in dem auch das neu entworfene Logo verwendet werden soll, trifft sich am 4. Juni eine Kleingruppe im Wohnzimmer. Der Entwurf soll dann an alle Mitglieder der Gruppe „Villigster Nachbarn“ verteilt werden, damit auch diejenigen einen Kommentar dazu abgeben können, die beim nächsten Treffen nicht dabei sein können – so wie ich 🙁

Die Gesamtgruppe trifft sich wieder am 25.6. im Nebenraum der ev. Kirche.

Die Klausurtagung

Nachbarschaft in Villigst: Die Umfrage im Sommer 2012

Nachbarn – wertvoller als Familie?!

Ergebnisse einer Umfrage in Villigst

Nachbarschaft – was ist das eigentlich? Wofür braucht man sowas überhaupt – ist man ohne nicht viel besser dran? Wir wollten es wissen!

Wir – das ist eine Gruppe Villigster Bürgerinnen und Bürger, die sich über diesen Stadtteil und seine Zukunft so ihre Gedanken machen.

Villigster Nachbarn-Anfang

Um die Meinung der Villigster Bevölkerung zu diesem Thema zu erfahren, wurde ein Fragebogen entwickelt und vor den Sommerferien von Konfirmandinnen und Konfirmanden der evangelischen Kirchengemeinde an alle Haushalte verteilt. Das Echo auf die Befragung war durchweg positiv: Viele der TeilnehmerInnen an der Fragebogenaktion begrüßten die Initiative und betonten, wie wichtig eine gut funktionierende Nachbarschaft sei – das kennen sie aus eigener Erfahrung:

  • in manchen Straßenzügen sind seit vielen Jahren Nachbarschaften gewachsen
  • diese bestehen überwiegend aus älteren Menschen, die Kontakte pflegen und gegenseitige Hilfe in kleinen Dingen für selbstverständlich erachten
  • auch jüngere, später zugezogene Nachbarn hätten sich gut eingefügt und gehörten dazu.

Doch dies ist leider die Ausnahme, denn:

  • in Villigst ist der Generationen-Mix schlecht
  • die wenigen jungen Menschen, die es gibt, sind berufstätig und in dieser Lebensphase zu sehr mit sich selbst beschäftigt
  • aber auch viele der Älteren nutzen ihre (noch vorhandene) Mobilität dazu, um aus Villigst wegzufahren
  • außerdem fehlen Treffpunkten (Cafés, Gaststätten, Kioske) – Geschäfte verschwinden

Dabei ist eine gute Nachbarschaft nichts Unmögliches. Die meisten Befragten empfehlen dass,

  • der Kreis der Nachbarn nicht zu groß gefasst werden darf
  • ein Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz  wichtig ist
  • eine gute Nachbarschaft gepflegt werden muss

Eine lebendige Nachbarschaft gibt es eben nicht umsonst – dafür bekommt man aber auch eine Menge zurück:

  • sie beugt der Vereinsamung im Alter vor
  • sie trägt zum Wohlbefinden bei
  • sie ist hilfreich und beruhigend und bewirke insbesondere für ältere Menschen mehr Lebensqualität.

Zu wissen, dass man sich bei Bedarf auf die Hilfe der Nachbarn verlassen kann, gibt ein Gefühl von Sicherheit, wenn z.B. bei Urlaubsreisen ein Auge auf das eigene Haus geworfen wird oder konkrete Hilfe bei Krankheit geleistet wird. Nachbarn sind oft wichtiger als die weit entfernt lebende Verwandtschaft!

Vor allem auf das Miteinander der Generationen kommt es an. Deshalb wünschen sich die meisten der Befragten eine gut funktionierende Nachbarschaft, die – unorganisiert oder organisiert – , über die bisherigen Aktivitäten hinaus aktiv ist.

Damit dies auch nur in Ansätzen verwirklicht werden kann, braucht die bestehende Gruppe der noch 5 aktiven Initiatoren der Umfrage dringend Unterstützung!

Die Nachbarschaftsgruppe wird in naher Zukunft zu einem Treffen einladen, zu dem alle am Thema Interessierten herzlich eingeladen sind.