Predigt schreiben – als Rede

Übersicht

Predigten sind keine Textform, sondern lebendiges Wort: Nichts ist für die Gemeinde tödlicher als ein an eine Vorlesung erinnernder Vortrag!
Es gibt Homiletiken wie Sand am Meer – am hilfreichsten war für mich die Herangehensweise von Nicol. Folgende Schritte ergeben sich daraus:

  1. Mindmapping (Moves).
  2. Strukturieren der Mindmap (Structure).
  3. Export ins Markdown-Format
  4. Import im Texteditor zum Ausformulieren
  5. Layout und Ausdruck in MS Word/ Pages (Schriftgrösse, DIN A4-Querformat, zweispaltig zum Abheften im DIN A5-Gottesdienstringordner)
  6. Sicherung der Predigt mit dem Kirchenjahr entsprechender Verschlagwortung, entweder auf der eigenen Festplatte oder in Evernote

Textformate

  1. Soll eine Predigt wirklich Rede sein, darf der Prediger nicht an seinem Text kleben. Der Einsatz der mindmapping-Technik eignet sich sehr gut dazu, die vielen Gedanken und Informationen aus eigenem Studium, Literatur, Berufs- und Lebenserfahrung zu sammeln. Die natürliche Projektplanung nach gtd-Guru David Allen geht ähnlich vor (Punkte 3+4). Ein Word-Dokument eignet sich dafür schlecht aufgrund der vom Medium aufgezwungenen Linearität.
    mindmap

  2. Wild beschriftete Karteikarten sind besser – oder eine mindmapping-software, die zunächst das unstrukturierte Sammeln und im Anschluss die Sortierung ermöglicht, vielleicht sogar in einen outliner-Modus umswitchen kann.
    outliner
    Sie sollte auf allen meinen Geräten (iphone, ipad, Mac) laufen, damit ich in jeder Situation Ideen sammeln kann.

  3. Schließlich muss die mindmapping-software/ der outliner den Export ins Markdown-format unterstützt.

  4. Wieso Markdown? Nein, MS Word ist nicht automatisch die erste Wahl zum Verfassen von Texten!
    markdown

    • Sicherheit: Word-Dateien bestehen nicht nur aus dem Text, sondern enthalten noch viele Informationen, die dem Otto-Normal-User nicht zugänglich, aber auch zum Sicherheitsproblem werden können (sog. Meta-Daten); damit hängt direkt der nächste Punkt zusammen:
    • Dateigröße: reiner Text ist billig – sowohl für die eigene Festplatte als auch für cloud-Speicher.
    • Haltbarkeit: Ein mit Word oder Pages erstelltes Dokument ist mit einer späteren Version desselben Programms oft nicht mehr lesbar! Meine gesammelten Überlegungen und Predigten möchte ich aber softwareunabhängig und langjährig erhalten.
    • Am Wichtigsten: Word & Co. sind so aufgeblasen mit tausenden von Funktionen, dass sie ablenkungsfreies Schreiben verhindern. Jeder Geiff zur Computer-Maus aber lenkt ab. Beim Schreiben sollen aber meine Gedanken direkt in meine Finger fließen, damit es kein Vortrag wird, sondern eine Rede!
    • Die bessere Lösung: Echte Text-Editoren, die Markdown beherrschen. Markdown ist eine einfach zu schreibende und leicht zu lesende html-Variante, die strukturiertes Schreiben unterstützt und sich danach sowohl in Rich Text konvertieren lässt zur Weiterarbeit in Word & Co. als sich auch als html-Derivat problemlos fürs webpublishing oder elegantem emailing nutzen lässt.
      markdown predigt
  5. Nach dem Ausformulieren der (Kern-)Gedanken kommt nun der Schritt, mit dem PfarrerInnen meistens beginnen: Das Layout-Programm kommt ins Spiel. Die Nachteile der Funktionsvielfalt werden nun zu Stärken, denn jetzt will ich meine Rede, die zum Text geworden ist, in die richtige Form bringen. Ich verwende z.B. im Gottesdienst immer einen DIN A5-Ringordner, dafür muss meine Predigt ins DIN A4-Querformat gebracht werden und zweispaltig in Schriftgrösse 14–16 ausgedruckt werden – falten, lochen, fertig!
    pages

  6. Nachdem ich die Predigt gehalten habe, mache ich vielleicht noch ein paar nachträgliche Korrekturen – wo bin ich abgewichen, hat mich der Redefluss vom Skript wegbewegt etc.? Und dann wird der Text für später konserviert. Entweder auf der eigenen Festplatte oder in einer cloud, wie z.B. Evernote. Ein Markdown-Editor kann hervorragend nach Evernote exportieren, da er sowieso von Hause aus aufs webpublishing ausgelegt ist. Egal wohin ich speichere – durch die Digitalisierung ist für mich ein Traum wahr geworden: ich kann ein und dasselbe Dokument mit mehreren Schlagworten versehen! Als ich als Lehrer tätig war, bin ich fast verrückt geworden, weil sich z.B. Bilder in unterschiedlichen Unterrichtseinheiten verwenden lassen und ich meine teuren Folien erst nach langem Suchen wiedergefunden habe. Durch die Vergabe mehrerer Schlagworte für eine einzige Datei ist dieses Suchen und mehrfaches Anlagen derselben Datei endgültig vorbei. So lässt sich z.B. dieselbe Predigt unter den Schlagworten “Gründonnerstag” und “Abendmahl” ablegen und sich bei Bedarf zu diesen Themen leicht wiederfinden.
    evernote

Software

Software ist oft eine Frage des persönlichen Geschmacks und des Betriebssystems. Die folgenden Vorschläge spiegeln entsprechend meinen Geschmack und meine Vorliebe für Apple-Geräte. Der einzige Tipp, der auch für Nicht-Apple-User Gültigkeit haben sollte: alle Dateien müssen zu jedem Zeitpunkt des Workflows allen Geräten, mobilen wie stationären, zugänglich sein.

Software Markdown

Als generelle Einführung empfehle ich den fieldguide von David Sparks sowie die website des Entwicklers John Gruber.

Ob Byword, Write, Editorial, Writingkit, Notesy oder 1writer:
Prinzipiell spielt es keine Rolle, da jeder md-Editor den Text gleich darstellt – ich wechsle gerne mal hin und her.
Eine gute Übersicht bietet dieser Artikel.
Zur Zeit tendiere ich generell für ios zu 1Writer.

Wichtige Aspekte für mich sind:
– Integration von TextExpander
– in-app-browser
– preview-Option
– um spezielle md-Kommandos erweiterte Tastatur
– Anbindung an dropbox
– vielfältige Exportfunktionen (html, docx, pdf)

Theologen, Texte und … Technik

Theologen, Texte und … Technik

Theologen und Texte – a marriage made in Heaven?!

Eigentlich.
So war es über Jahrhunderte.
Doch das Verhältnis ist gestört durch moderne Medien wie Computer und Internet.

Wer kennt’s?

  • Kollegen versenden Unterlagen für eine Besprechung in Papierform – dabei arbeitest du soweit es geht paperless.
  • Ein Kollege sendet dir ganz fortschrittlich die gemeinsamen Gottesdienstunterlagen oder das Presbyteriumsprotokoll zum Korrekturlesen – als MS Word-Datei. Und in deiner Layout- Software kannst du es nicht öffnen bzw sieht völlig anders aus.
  • Nächste Steigerung des Szenarios: Die Endfassung eines Protokoll wird als MS Word-Datei an alle Sitzungsteilnehmer per Mail verschickt. Auch ohne böse Absicht, rein aus Versehen, können so Textstücke noch verändert werden.
  • Nicht zu vergessen die Weihnachtswünsche– “unsere Weihnachtswünsche liegen unserer Email als pdf-Datei bei”
    – … Wer kennt weitere Beispiele?

Ein Pfarrer heute ist jemand, der den Umstieg von der Schreibmaschine auf MS Word geschafft hat, aber keine Ahnung davon hat, welche Situation welches Textformat erfordert.

Jede Situation der Textproduktion und -Weitergabe (z.B. Erstellung von Protokollvorlagen, -entwürfe und der -endfassung; Gruß-emails etc.) erfordert das ihr angemessene Textformat:
– plain oder rich Text?
– Markdown oder html?
– Word/Pages-Datei oder pdf?

Bis zur Frage des Versandts bzw. des Archivierens:
– Digital / per Mail?
– Oder analog per Papier / Post?

Pfarr-Praxis: Zwei workflows, die den Pfarr-Alltag prägen

Im Folgenden werde ich folgende Workflows vorstellen, die im Pfarr-Alltag gehäuft vorkommen:
1. Protokolle schreiben
2. Predigt schreiben

Folgende Arbeitsschritte werden je workflow von mir diskutiert incl. Vorstellung der entsprechenden Textformate und Software:
1. Texte schreiben
2. Texte layouten
3. Dokumente erstellen und versenden

Bibelteilen in Villigst

Bibelteilen – was ist das?

Die Wurzeln dieser spannenden Methode mit und über die Bibel ins Gespräch zu kommen, liegen zwar meines Wissens in der katholischen Kirche – ich bin aber der festen Überzeugung, dass hier ein ökumenischer Nerv getroffen wurde, wie folgende Stichworte zeigen:

demokratisch

  • Bibelteilen macht mit dem in der evangelischen Kirche hoch geschätzten Priestertum aller Getauften ernst!
  • Alle Übersetzungen der Bibel werden als Bereicherungen angesehen.
  • Redebeiträge werden nicht kommentiert oder kritisch kaputtdiskutiert, sondern wertgeschätzt.

spirituell

  • Jedes Treffen wird mit gemeinsamen Gebet/ Lied begonnen und beendet. 
  • Im Schweigen setzen wir uns Gottes Wort aus.   

alltäglich

  • Die Lebenserfahrung der Teilnehmenden steht im Mittelpunkt – nicht Bibel-Fachwissen. 
  • Welche Bibelzeile wird mich in die nächste Zeit begleiten?

Am 24. März um 19.00

in der ev.Kirche Villigst um 19.00.

In der Passionszeit werden Texte im Mittelpunkt stehen, die  um das Leiden und Sterben Jesu Christi kreisen.

Gastgeber:

Pfarrer Michael Kamutzki