An alle Heimatlosen

Brief zu Totensonntag

Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir. (Augustinus)

Unser ganzes Leben lang sind wir auf der Suche nach unserem Zuhause.
Zuhause – Ankommen. Bei Menschen, die uns so lieben und annehmen, wie wir sind. In deren Gegenwart wir uns heil fühlen und ganz. Uns Heimat geben.
– Vielleicht gehören wir zu den glücklichen Menschen, die das bereits als Kind von ihren Eltern erfahren durften.
– Andere finden dieses Zuhause, diese Menschen, erst später in ihrem Leben.
Doch wann wir auch diesen Menschen begegnen auf unserer Reise zwischen Geburt und Tot – irgendwann ist der Moment gekommen, an dem sich unsere Wege wieder trennen, wir uns von einander verabschieden müssen.
Am Totensonntag gedenken wir dieser Menschen, die für uns Zuhause waren. Manche waren jahrzehntelang Teil unseres Lebens. Manche nur für kurze Wegabschnitte.
Dankbar blicken wir zurück auf das, was war. Auch wenn das weh tut. Zeigt der Schmerz doch, wie viel wir empfangen haben.
Mindestens einmal im Jahr dürfen wir uns trauen, uns auch diesem Schmerz zu stellen. In Gemeinschaft mit anderen, denen es genauso geht. Im Gottesdienst. Wir sind nicht allein. Gemeinsam tragen wir unsere Schmerzen vor Gott und ehren damit, was wir verloren haben.
Gemeinsam finden wir zu uns: Wir leben weiter. Und tragen das Schöne, das vergangen ist, mit uns. Ein kostbares Geschenk, das schmerzt und gleichzeitig wärmt.
Unser Herz schlägt weiter. Und weist uns unseren Weg. Auch wenn unser Kopf nicht weiß, wie es weiter geht und was der nächste Schritt ist.

Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir. (Augustinus)

Unser Herz schlägt weiter – denn es hat Anteil an der Ewigkeit.
Und an dem Frieden Gottes, der höher ist als unsere Vernunft.
Einem Frieden, der tiefer ist als unsere Trauer; höher als unsere Fallhöhe; und weiter als unser Blickfeld.
Der Friede Gottes, unsere wahres Zuhause, woher wir alle kommen. Und der uns nie verlässt.
Der Friede Gottes sei mit euch allen!