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Pfarr-Aszetik

There and back again. Oder meine Reise ins BuJo-Land.

Back to Paper

Seitdem der Full Focus Planner herausgekommen ist, arbeite ich nach dem hybriden Ansatz von Michael Hyatt. Nach dieser Wiederentdeckung von Papier, begann das Bullet Journal auf mich eine große Faszination auszuüben – und so bin ich zu Beginn der Sommerferien 2019 – trotz anfänglicher Bedenken – mit einem echten Selbstversuch gestartet.

Wie Bilbo Beutlin habe ich mein Auenland verlassen und bin aufgebrochen in das große Abenteuer. Welche Drachen habe ich getötet, welche Schätze mitgebracht?

„There …“ Bullet Journal only

Die Strukturlosigkeit des BuJo, diese individuelle Anpassbarkeit hat mich fasziniert und die Einfachheit beeindruckt:
– Keine vorgedruckten Blätter, die mir ein System aufzwangen, dem ich mich zu unterwerfen hatte.
– Keine Vorgedruckten Blätter, die mir ein schlechtes Gewissen machten, wenn ich mal ein paar Tage mit dem Schreiben aussetzte und die durch ihr Freibleiben mich stumm anklagten.
Sondern ein Notizbuch meiner Wahl, dass ich im Fluß meines Lebens frei anpassen konnte – das war zunächst eine große Bereicherung für mich Halbzeit-Zwangsneurotiker. Dennoch bin ich nach ca. 10 Wochen wieder zum hybriden FFP-Ansatz zurück gekehrt.

Gescheitert am Future Log

Bei der Vielzahl meiner Termine hatte ich schnell gemerkt, dass die schnörkellose Einfachheit des Future log nach Ryder Caroll mir nicht genügte: Statt ein halbes Jahr auf einer Doppelseite konzipierte ich ein Quartal auf eine Doppelseite mit jeweils einem kleinen Monatsübersichtskalender.

Modifiziertes future log
Modifiziertes future log

Doch auch hier hatte ich bald das Gefühl, dass ich die Übersicht verliere, da neue Termine schlicht unten angehängt werden mussten, nicht nach Datum geordnet werden konnten. Auch andere Formen des Future log habe ich probiert, wie z.B. den Calendex.
Obere Zeilen des Calendex.
Obere Zeilen des Calendex.

Und dann kam der Moment, als ich nach guten zwei Monaten in den Spiegel schaute und mir eingestehen musste, dass ich ohne digitale Ergänzung nicht auskomme: Durchsuchbarkeit. Sichere Aufbewahrung. Übersicht. Diese drei Eigenschaften eines digitalen Kalenders waren letztendlich – neben der Möglichkeit des Teilen von Terminen mit anderen – für mich entscheidend. Alle Termine, die ich im Daily log mit einem „\<„ ins Future Log gescheduld hatte, überführte ich wieder in meinen online-Kalender. Danach fühlte ich mich wieder besser.

„And back again“: Zurück zum hybriden Ansatz

Konsequenter Weise suchte ich dann einen Ort für meine Aufgaben, die sonst ebenfalls mit einem „\<„ im Daily Log versehen auf meinen Projektlisten im BuJo gelandet waren.
Die Logik dahinter: Alles, was in die Zukunft verschoben wird – ob Termine, terminierte Aufgaben oder weitere Aufgaben – das alles gehört in ein digitales System.

Modifizierter Abkürzungsschlüssel meines BuJo.
Modifizierter Abkürzungsschlüssel meines BuJo.

Also migrierte ich alle Projekte etc. wieder in eine App. War in den vergangenen Jahren Nozbe die App meines Vertrauens, fiel meine Wahl nun wieder auf Omnifocus. Nozbe hatte ich früher vorgezogen wegen des „Flatter is Better“-Ansatzes: Je tiefer die Verschachtelungen mit Sub-Projects, desto größer die Gefahr Wichtiges in den Tiefen des Systems zu verlieren. Damals war Nozbe meine Schaltzentrale, Übersicht war Trumpf.
Nun aber möchte ich genau das: Alles im digitalen System haben, ohne dass ich es sehe. Bzw. nur Ausgewähltes zum richtigen Zeitpunkt.
Mit der Fähigkeit Aufgaben und Projekte in die Unsichtbarkeit zu verschieben, bekam nun Omnifocus den Zuschlag – denn meine Schaltzentrale wurde wieder der Full Focus Planner von Michael Hyatt.

Meine Learnings

Was mir am BuJo gefiel

Im Rückblick betrachtet, habe ich in meinem Artikel aus Juni 2019 bereits vieles Erkannt, was sich nun als richtig herausstellte. Das ist ein gutes Gefühl.
– Dennoch: Ein bisschen trauere ich meinem kleinen und handlichen Bullet Journal etwas hinterher – der FFP hat ein deutlich größeres Format und ist dicker. Was den Formfaktor anbetrifft, gebe ich Lars Bobach nachträglich recht. Den FFP begleitende Notizbücher wie die Full Focus Notebooks können das vielleicht ausgleichen. Ein Versuch ist es wert.
– Die Implementierung eines Journals direkt im daily log nach dem Schema des 6-Minuten-Tagebuchs gefiel mir gut. Ich verwende nun wieder das Full Focus Journal, das ebenso groß ist wie der FFP, und den ich deshalb zu Hause aufbewahre. Vielleicht ist das sogar besser, als alles im BuJo zu notieren – denn wer mein BuJo hat, hat damit große Teile meines Privatlebens in der Hand.

Was nehme ich mit in die hybride Welt?

  • Meiner Persönlichkeit scheint Struktur in größerem Maße gut zu tun – der FFP gibt sie mir und hilft mir durch Struktur und Layout mich klarer auf das Wichtige zu konzentrieren.
  • Der FFP hat – wie auch im Interview von Mag Rattland mit John Meese aus dem Michael-Hyatt-Team viele Aspekte aus dem BuJo übernommen. Das klarer zu erkennen und deren Nutzen zu begreifen, hilft mir enorm weiter Klarheit zu erlangen – vor allem durch das Migrieren am Ende der Woche in der weekly preview, wo das Zusammenspiel von digitalem Projektmanagement-App und analogem Planungstool zum Tragen kommt: Eine Neuauflage dieses Rückrads meiner Produktivität folgt im Kürze – hier der link zu meinem früheren workflow!