„Wow – das Buch habe ich ja schon …“

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Oder: Aus den Augen, aus dem Sinn.

iBook-Bibliothek

"Wow – das Buch habe ich ja schon …".

Ich hatte meine iBook-App geöffnet und wollte ein interessantes Buch kaufen. Aber ich hatte es schon.
Aus den Augen, aus dem Sinn: Ist die App geschlossen, oder sogar das Gerät aus oder zumindest gelockt und gemuted – dann ist nichts mehr da.
Und das ist ja auch der Sinn vom Ausschalten, ein Begriff, der mich sofort an Peter Lustig erinnert: Damals galten nur geringe Mengen von Fernsehen als überhaupt für Kinder irgendwie zuträglich – und nach der kinderfreundlichen Sendung musste sofort ausgeschaltet und nach draußen gegangen werden, in die richtige Welt. Aus ist weg.
Und da unsere Smartphones und Tablets Multifunktionsgeräte sind, die immer gleich aussehen, verschwindet so manches darin – oder vermuten wir so allerhand hinter dem schwarzen Glas, wenn wir das Gerät mal nicht bedienen – FOMO, fear of missing out, die Angst etwas zu verpassen, scheint mir das Gegenteil von dem zu sein, was mir passiert ist: Ich habe das iBook einfach vergessen, weil es im Dunkel des App-Universums verschwunden war.
Seitdem kaufe ich mir Bücher wieder in ihrer physischen Form. "Echte" Bücher haben Vorteile:

  • Sie stehen oder liegen herum – ich sehe sie.
  • Ich kann mir im Buch Notizen machen oder mal eine wichtige Seite mit einem Eselsohr oder sonstigen Merkmalen versehen. Das ist gut fürs Gedächtnis – wir merken uns Inhalte besser, wenn nicht alle Seiten gleich aussehen, sondern Bearbeitungsspuren haben. Noch ein Nachteil eines eBook – jede Seite sieht gleich aus, da sie hinter demselben Glas sitzt. Und da sich mit der Schriftgröße auch die Inhalte, die auf eine Seite passen, verändern lassen, wohnen Informationen in eBooks auch nicht an einem festen Ort: "Das stand ungefähr in der Mitte des Buches, rechte Seite, etwas oberhalb der Mitte" – das gibt es nicht mehr.

    Aber so ganz ohne Digitales geht es auch nicht, ich habe jede Menge von digitalen Informationen zu verarbeiten, websites, pdfs – und auch eBooks. EBooks haben auch große Vorteile – die typischen Vorteile digitaler Informationen:

  • teilbar: copy-past oder per Exportfunktion – Ziate und Notizen muss ich nicht mehr abtippen, sondern direkt weiter verarbeiten in meinem "Second Brain".
  • durchsuchbarwiederfindbar: Meine Lieblings-App Evernote hat nicht umsonst den Elefanten als Symbol. Der phantastische Suchalgorithmus findet einfach alles wieder, und das schnell. In Evernote suche ich nicht – ich finde. Und dabei auch noch Notizen, die ich mir zum Thema schon mal gemacht habe.

    Zwar verlieren Informationen in unseren Geräten massiv an Kontext. Doch die Hersteller haben das bemerkt:

  • Always-on-Displays zeigen uns kein schwarzes Glas mehr, sondern beruhigen uns mit dem Wissen, dass wir jetzt gerade nichts verpassen.
  • Software versucht das gerade für mich relevante, in ihnen gespeicherte Wissen nach oben zu holen: In Evernote gab es erst nur Favoriten; seit einiger Zeit gibt es eine neue Benutzeroberfläche, die "Home" heißt, und auf der ich mit Widgets das aus dem riesigen Datenbestand anzeigen lassen kann, was für mich wichtig ist.

    Denn Menschen sind keine Elefanten, sondern eher wie Ted Lassos Goldfische. Damit wir uns an das Wichtige erinnern, brauchen wir unsere Sinnesorgane. Zumindest, wenn wir nicht 100%ig fit sind – und wer ist das schon? Immer ausgeschlafen, gesund ernährt, ausdauernd durchsportet und aufmerksam vom Aufstehen bis zum Schlafengehen?
    Evernote hilft mit seiner neuen Home-Funktion seinen Nutzern das Wesentliche anzupinnen. Home – Anfang und Ende.
    Damit ich die Übersicht über meine Bücher behalte, habe ich mir im Home-Dashboard von Evernote eine simple Bücherliste gebastelt: Hier sehe ich, was ich gerade lese. Mit einem Klick komme ich sofort zur bibliographischen Angabe oder zur digitalen Quelle. Zumindest, wenn ich die App geöffnet habe …


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