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Und statt Oder

Falsche Alternativen

Sackgasse

„Nicht für die Schule lernen wir, sondern fürs Leben!“
Ein alter Merksatz, an dem wir Lehrer uns immer wieder messen lassen müssen. Auch bei der Frage, wie viel Digitalisierung denn unbedingt sein muss. Nehmen wir den Alltag, das Leben als Maßstab, kommen wir doch an modernen Medien, v.a. am Smartphone, nicht vorbei. Die üblichen Diskussionen bauen dabei leider künstliche Alternativen auf.
– Präsenzunterricht oder Homeschooling?
– Kreidetafel oder iPad?
– Handschrift – oder Zehnfingersystem lernen?
Viel entscheidender als das „oder“ ist doch das situationsbedingte „wann“: In welchen Lernsituationen hat welches Medium Vorteile? Wie lässt sich das neue Leitmedium sinnvoll integrieren

Digital oder analog - falsche Alternativen!

Digital oder analog – falsche Alternativen!


So ist es auch bei der Auswahl der Tools fürs Selbstmanagement:
– Notizbuch oder iPad?
– Laptop oder Papier mit Stift.
– Taschenkalender oder Online-Kalender?
Ähnliche Fragen, das gleiche Denken in falschen Alternativen. Die richtige Frage müsste lauten: Welches Tool passt am besten zu dem, was ich gerade tun will. Das, was analog gut funktioniert, braucht nicht auf Biegen und Brechen durch digitale Arbeitsabläufe ersetzt werden. Digitalisierung bedeutet nicht, dasselbe zu machen wie vorher – nur eben digital. Ebenso in eine Sackgasse geraten wir durch das Dogma, dass wir Menschen ja analoge Wesen seien und deshalb natürlich das Analoge dem Digitalen grundsätzlich überlegen sei.
Wir brauchen ein Umdenken:
Statt dogmatische Lager aufzumachen, wie unbedingt alles papierlos zu gestalten oder unbedingt alle Tätigkeiten analog durchzuführen, bedenke ich in diesem Post, welche Stärken das handschriftliche Arbeiten hat, welche Stärken das digitale – und welche Tätigkeiten der Wochenplanung von welcher Arbeitsweise am meisten profitieren!
Digital oder analog - beides zur richtigen Zeit!

Digital oder analog – beides zur richtigen Zeit!

Vergleich von analogem/ handschriftlichem Arbeiten mit digitalem Arbeiten per Tastatur

Die Wissenschaft hat festgestellt …, dass das Erlernen und Üben von Handschrift nachhaltige Effekte auf unser Gehirn hat:

Stärken Handschrift: Qualität – Verstehen & Planen als Solist

Die Stärken des handschriftlichen Arbeitens zeigen sich v.a. bei der Einzelarbeit: Handschriftlich werden Informationen beim Erfassen tiefer verarbeitet und dadurch sowohl besser verstanden als auch nachträglich genauer erinnert. Der durch Handschrift geformte innere Dialog stellt zudem eine Hilfe beim strukturiertem Planen und beim Deep Work dar.
Handschrift - zum Planen am besten

Stärken Digital: Quantität – von Daten & Mitarbeitern

Ein Nachteil von Papier besteht in der konkreten Lokalisierung der Daten – Paper does not sync with anything! Die Stärken von digitalem Arbeiten hingegen werden dort ausgespielt, wo es um Masse geht – sowohl der Daten als auch der beteiligten Personen, beim Arbeiten im Team: Recherche, Archivierung und Teilen von Daten mit anderen. Große Datenmengen können schneller als per Handschrift in unterschiedlichen Dateiformaten gespeichert und später durchsucht und mit anderen geteilt werden.
Computer - Speicherriesen

Konsequenzen für die Wochenplanung

Was bedeutet das jetzt für die Wochenplanung? Dazu nehme ich einmal die typischen Arbeitsschritte der Wochenplanung einmal auseinander und analysiere sie auf die für sie optimalen Tools: Handschrift oder Tippen.

Typische Elemente der Wochenplanung und ihr Sinn

Über die hybride Wochenreview und -preview habe ich schon so einiges geschrieben. Jetzt geht es nicht um Details von Tools, sondern um das Mindset:

1. After-Action-Review**** — nach Michael Hyatt, Free to Focus.

  • Was waren meine größten Gewinne in der vergangenen Woche?
  • Wie weit bin ich mit meinen „Weekly Big Three“, meinen Meilensteinen der Woche, gekommen?
  • Was hat funktioniert, und was nicht?
    In diesem Arbeitsschritt geht es um retrospektiven Erkenntnisgewinn mit Auswirkungen für meine Zukunft: Was kann ich in der kommenden Woche besser machen als in der Vergangenen?

2. Sammeln – nach Getting Things Done von David Allen.

  • Leeren/ Durchsehen aller möglichen analogen und digitalen Briefkästen/ Inboxes
  • Mind Sweep: Alles muss aus dem Kopf raus ins vertrauenswürdige System
    Der Sinn dieses Schrittes besteht im lückenlosen Sammeln aller „losen Enden“, die sich in der vergangenen Woche so angehäuft haben – also um das Verarbeiten von Datenmengen, die ich später wiederfinden können muss.

3. Review aller Listen — Neubewertung nach Getting Things Done von David Allen.

  • Warten-Auf-Liste
  • Projektlisten
  • Zielplanungen
  • Verschiedenes
  • Irgendwann-Vielleicht-Liste
    Das berühmte „trusted system“ muss aktuell gehalten werden, damit ich das Vertrauen in das System nicht verliere. Datenmüll muss raus – und alles aus Schritt 2 muss rein. Alles muss mir zur Verfügung stehen, wenn ich es brauche. Hier geht es um Systempflege!

4. Wochenplanung

  • Neubewertung und Übersicht über alle aktuellen Verpflichtungen, wie Termine, Deadlines etc.
  • Aktualisierung der Next-Action-Kontext-Listen
  • Fokussierung auf die Wochenziele
  • Und natürlich aber oft übersehen: Planen von Freizeit und Erholung
    Der letzte Schritt leitet über in die kommende Woche. Nach dem Motto: „Wenn ich nicht plane, tun das andere für mich!“, erlange ich mit diesem Planungsschritt die Kontrolle über meine kommende Woche: Was liegt an? Was muss ich tun – was will ich tun – und was ist vielleicht darüber hinaus noch möglich?

Zuordnung der Schritte der Wochenplanung zur jeweils angemessenen Arbeitsweise & Beispiel-Tools

Soweit die Übersicht über die Planungsschritte zur erfolgreichen Wochenplanung. Analog oder digital? Welche Tätigkeit profitiert am meisten von welcher Geisteshaltung und Tools – und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für den optimalen Wochenplanung-Workflow?

1. Analoge After-Action-Review: Lernen aus Rückblick & Erinnern an die neusten Lektionen des Lebens.

Der Wochenrückblick ist eine Handlung, die am meisten vom Analogen und Handschriftlichen profitiert: Denn hier gehts ums Reflektieren und Lernen – und diese Tätigkeiten funktionieren bei uns Menschen am besten analog.

2. Digitales Sammeln: Inboxes leeren ⇨ digital (Migration von analogen Daten ins Digitale)

Das Sammeln von Informationen ist ein typisch-digitaler Schritt: Papiere sollten gescannt werden; digitale Informationen in die Inbox des digitalen Taskmanagers, früher bei mir Nozbe, heute arbeite ich mit dem Todoisten, geschoben werden.

3. hybride Review: Neubewertung aller Projekte und Listen

Bei diesem Arbeitsschritt scheiden sich die Geister: Wer seine Projektlisten auf Papier führt, bleibt natürlich dabei; wer nur digital arbeitet dito. Ich hingegen gehe hier einen zweifachen Weg: Meine Jahresziele verwalte ich analog im FFP, alles Übrige landet im Todoisten. Da Schritt (2) beim Digitalen endet, bleibe ich daraufhin am iPad und mache zunächst die Todoist-Review – Endergebnis ist eine aktualisierte Next-Action-List. Im Anschluss daran überprüfe ich meine Ziele im FFP: Was werden meine neuen Weekly Big Three?

4. Analoge Preview/Planung.

Wie der erste Schritt profitiert dieser wieder enorm von der handschriftlich-analogen Durchführung. Bei mir umfasst er folgende Schritte:
– Migration digitaler Daten – Termine & Deadlines – ins Analoge: Gestaltung der Tagesseiten im FFP.
– Übertragung der im Todoisten während der Review in Schritt 3 entstandenen Next-Action-List als Kontextliste in den FFP.
– Übertragung der Weekly Big Three und Herunterbrechen in Einzelaktionen.

Analoges und digitales Arbeiten ergänzen einander.

Analoges und digitales Arbeiten ergänzen einander.

Wochenplanung: hybrider Workflow – das Beste aus beiden Welten

Meine Analyse zeigt, dass es für die jeweiligen Aufgaben bessere und schlechtere Mindsets = Tool-Arten gibt, und dass ein optimal durchgeführtes Selbstmanagement auf beiden Klaviaturen spielen kann – und zwar jeweils situationsbedingt auf der besseren.
1. After-Action-Review: Analoge Reflektion
2. Sammeln: Migration ins Digitale
3. Review aller (digitalen/analogen) Listen
4. Wochenplanung: Migration vom Digitalen ins Analoge

FFJ-iPad-FFP

FFJ-iPad-FFP

Fazit

Natürlich gibt es persönlich bedingte Vorlieben, die oft biografisch begründet sind. Rein objektiv betrachtet legt man sich damit jedoch Schwierigkeiten auf, die man nicht haben müsste, bzw. man könnte alles effektiver machen. Aber das ist eine persönliche Entscheidung. Und manchmal ist uns das Beibehalten des eigenen Lieblingswerkzeugs die Mühe wert …
Der optimale Weg führt jedoch ausgehend vom Analogen, ins Digitale und dann zurück ins Analoge.

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